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Amoklauf von Winnenden – Deutschland in Ohnmacht


Jugendlicher erschießt 16 Menschen. Ermittlungspannen zu Beginn. Angeblich „Killerspiel“ gespielt. Eltern leugnen Depression. Widersprüchliche Informationen. Fragwürdige Berichterstattung.

Am 11. März 2009 erstarrte Deutschland, in Winnenden, einem kleinen Ort bei Stuttgart, drang der erst 17 jährige Tim K. in seine ehemalige Schule ein, erschoss Schüler und Lehrer, flüchtete mit einem Auto und starb selbst am Ende seiner Odyssee.  So könnte man den Tag in wenigen Worten zusammenfassen, wenn nicht so viel Schmerz und Trauer, aber auch Entsetzen und gerade zu eine erschreckende Geschichte dahinter stecken würde.

Es sind Menschen umgekommen, nicht durch einen Unfall, einem Flugzeugabsturz oder einem anderen Unglück. Ein Jugendlicher hat eine Waffe genommen und gezielt auf Menschen geschossen. Nicht das erste Mal in Deutschland. Doch was danach geschah, wundert den außen stehenden Betrachter schon sehr. Die Leichen der Opfer waren nicht einmal vom Schulgelände entfernt, da ging eine Menschen verachtende Medienmaschinerie los, die selbst in den USA ihres gleichen suchen dürfte.

In einer Pressekonferenz, das kann man noch nachvollziehen, wurden erste „Ergebnisse“ veröffentlicht. Und schon da passierten Fehler, wie sich später heraus stellte. Man ermittelt ja immer noch in die Richtung, dass Tim K. seine Tat vorher angekündigt hatte.

Schnell wurde auch bekannt, dass Tim K. am Vorabend noch Far Cry 2 gespielt hatte (Spiegel TV), ein eindeutiges Indiz scheinbar, die Polizei hatte diese Vermutung ja schon am Abend der Tat geäußert.
Depressiv war Tim K. auch, seine Eltern behaupten zwar etwas anderes, gerade was seine Behandlung in einer Psychiatrie angeht (wieder Spiegel TV).

Das noch nicht genug. Der große Vertreter der Regenbogenpresse BILD machte seine Zeitung am 12.03.2009 mit einem mehrseitigen Spezial zur Tat auf, unter anderem wurde ein geschmackloses 3D Bild veröffentlicht, wie eine Kugel von Tim K. abgefeuert wurde. Zahlreiche vermeintliche Freunde und Bekannte wurden befragt und haben ein vollständig und vor allem fundiertes Charakterbild von Tim K. in der BILD geliefert.

Es steht völlig außer Frage: Die Tat war grausam, die Opfer sind unschuldig, der Täter Tim K. ist schuldig. Er kann jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen werden, denn auch er ist Tod.

Das markante an diesem Fall, und damit nehmen wir keine Wertung vor, ist, dass diese Berichterstattung sehr an das Geiseldrama von Gladbeck erinnert. In den 80ern der Fall, der erst durch die Medien gepuscht und schließlich auch eskaliert ist. Der noch junge Privatsender RTL war damals dem Sensationsjournalismus verfallen und hat den Geiselnehmer interviewt. Wie der Fall ausging wissen vielleicht noch einige unserer Leser.

Heute ist es nicht anders: Journalisten kramen in der tiefsten Ecke in einem Umfeld von Tim K., das nicht einmal der Polizei bekannt ist. Da flimmert ein Interview auf RTL (Spiegel TV) in dem sich der ehemalige Fahrlehrer der Fahrschule von Tim K. zu Tims Charakter äußert. Wenn man nicht die PS Zahl seines von den Eltern bezahlten Fahrzeuges kennt, dann scheint dies ein bestimmtes Bild eines Amokläufers zu bestätigen. Ein ehemaliger Mit-Fahrschüler, bekennender Skater, beschrieb die Kleidung des Täters und fügte hinzu, dass Tim K. gar nicht in die Klicke passen würde – wieder ein tiefschürfendes Indiz.

Es dauerte auch nur wenige Stunden, da war klar, dass Tim K. gerne am Computer saß und Spiele spielte, die erst ab 16 oder 18 frei gegeben sind. Und nun war klar, worauf die Diskussion, neben einer Verschärfung des Waffengesetzes, hinführen würde. Ein gewisses Kopfschütteln konnte man nicht vermeiden, nach Erfurt waren es die Counterstrike Spieler, nun sind es Far Cry 2 Spieler – Deutschlands potentielle Amokläufer.

Das kann man immer sehr schnell, ich erinnere da an die Twin Towers, die nach dem Attentat zusammenstürzten und die Welt nachhaltig durch das Handeln der USA verändert hat. Es brach eine gerade zu Hetzjagd auf Moslems in den USA aus.

Dieses Bild, sicher nicht so gravierend, kann man nun auch in Deutschland erkennen: Die Waffenbesitzer, die Spielebesitzer, die Depressiven, … Nein, Deutschland und seine Medien sollten doch aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Überlassen Sie doch bitte die Ermittlung denjenigen, die dafür ausgebildet und bezahlt werden: Der Polizei. Der Staatsanwalt wird auf Grund vorliegender Ergebnisse entscheiden, was getan werden muss. Die Politik sollte daraus dann die Schlüsse ziehen und nicht pauschal ganze Gruppen von Menschen bestrafen, nur weil ein Mensch aus der Gruppe etwas Grausames gemacht hat.

Die Verantwortlichen, also die Eltern, haben die Primärverantwortung für ihre Kinder, man sollte sie nur wahrnehmen und mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen, Vertrauen aufbauen und Gespräche gleichberechtigt führen. Nur so kann man die Bedürfnisse und Sorgen seines Kindes wahrnehmen und schon viel früher Einfluss auf Entwicklung nehmen.
Spieler sind nicht Killer. Das ist einmal Fakt. Ausnahmen gibt es überall.

Den Hinterbliebenen sprechen wir an dieser Stelle unser Mitgefühl aus, der Schmerz sitzt tief, einseitige Medienberichte können den Schmerz nicht lindern.


Geschrieben von: MKulczyk am 17.03.2009   |  Wertung  

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